Schoko im Zug

 

Kürzlich musste ich eine Bahnfahrt in den Bayerischen Wald unternehmen. Das war nicht weiter schlimm, ja teilweise sogar unterhaltsam. In Köln stieg ein Mann ein, der sich aufs Übelste aufregte und den Schaffner rief. Diesen machte er nicht nur zur Schnecke, nein er machte ihn zur Amöbe. „Das passiert auch nur in der 2.Klasse, dass ein Sitz mit Schokolade beschmiert ist und man sich seine Kleidung ruiniert!“ Der Schaffner war sich keiner Schuld bewusst und stotterte nur: „Was kann ich denn dafür?“

Nun war es an der Zeit, dem Schaffner beizustehen und ich warf ein: „Seien Sie froh, dass Sie nicht in der Klasse sitzen, in die Sie rein gehören, denn dann wäre der Sitz nicht mit Schokolade sondern mit Schei... beschmiert gewesen.

„Wie meinen Sie das ?“ fragte der Beschmierte.

„Nun“ entgegnet ich „die Bahn hat ihr Angebot doch nur auf 2 Klassen beschränkt, damit man nicht so deprimiert ist. Aber in Wirklichkeit gibt es doch viel mehr.

Da wäre die 1. Klasse bestehend aus Adeligen und Millardären, in der 2. Klasse tummeln sich Profisportler und Internationale Showgrössen, gefolgt von der 3. Klasse mit normalen Millionären und B-Stars.

Dann fängt das normale Leben mit der 4. Klasse an. Zu dieser zählen Ärzte und Rechtsanwälte, die nur einen kleinen Vorsprung vor den sonstigen Akademikern und Selbstständigen in der 5. Klasse haben.

Auf Platz 6 sind die kaufmännischen und handwerklichen Facharbeiter (aber nur solange sie ledig oder Doppelverdiener sind). Das ist die zufriedenste Klasse. So lange sie gesund sind, gönnen sie sich einmal im Jahr einen Urlaub und alle paar Jahre ist sogar ein Auto drin.

 Nun folgt die Klasse 7. Das ist die Angstklasse ! Hier gibt es fast alle Berufe. Meist sind es Verkäufer, Vertreter und Hilfsarbeiter, die gerade soviel verdienen, wie man minimum braucht, um nicht hungern oder frieren zu müssen. Es reicht, um eine Wohnung, Kleidung und Essen zu finanzieren. Wenn man in diese Klasse abzustürzen droht, kann man sich meist keinen Urlaub mehr leisten, für eine neue Waschmaschine oder nen Fernseher muss ein Kredit her. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Man arbeitet lieber, als Zeit zum Geldausgeben zu haben.

Ja das war´s fast.

Den Rest möchte ich in die 8. Klasse einordnen. Hier noch zu unterscheiden zwischen Arbeitssuchenden, Arbeitsscheuen, Dieben, Erpressern, Bankräubern oder Hartz4ern  fände ich ungerecht. Alle haben sie gemeinsam, dass sie nicht arbeiten und von irgendwas muss man schließlich leben.“

Mittlerweile hatten wir Würzburg erreicht und der Kölner Passagier, der hier aussteigen wollte, hatte keine Zeit mehr etwas zu erwidern. Der Schaffner hatte schon während meines Vortrages das Weite gesucht. Nun war ich wieder mutterseelenallein im Abteil und ich kramte in meiner Aktentasche. Ah -- da war ja noch ein Stück Schokolade. Sie war mir doch nicht komplett runtergefallen.

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