Asiatische Kampfkunst

  

Jeder Mensch sollte ein Hobby haben. Zum einen, um einen Ausgleich zum täglichen Stress im Job zu haben, andererseits um die Freizeit irgendwie rumzukriegen.

Optimal ist es, wenn diese Freizeitgestaltung auch noch beruhigend wirkt. Da ich mich im Beruf recht wenig bewege, sollte es natürlich etwas sein, was meinen Körper nicht total aus der Bahn wirft.

So hab ich mich dazu entschlossen einen Kurs für autogenes Training zu besuchen.

Jetzt ging der Stress erst los - Wo und wann und wie teuer und wie kommt man da hin? Schließlich wollte ich pünktlich nach getaner Arbeit hinkommen, jedoch auch nicht zu allzu spät, da der Mensch auch Schlaf braucht. Und möglichst in der Nähe, damit kein Heimweh aufkommt.

Gelandet bin ich letztendlich bei der VHS - sprich Volkshochschule -. Komisch, denn es ist ein Flachbau ?

Die Kosten waren überschaubar, die Anzahl der Teilnehmer auch und die Parkplätze in der Nähe erst recht. Am ersten Abend hab ich mir dann auch das erste Knöllchen eingefangen und der leichte Schwebezustand, welcher sich nach den ersten Übungen eingestellt hatte war bei dem Blick auf die Windschutzscheibe meines Autos auf einen Schlag verflogen.

Somit sind die vermuteten überschaubaren Kosten auch nicht mehr ganz so günstig, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Das musste sich ändern !

Am zweiten Kursabend war ich schlauer. Man kommt ja auch ganz gut mit dem Fahrrad dort hin. Das war die Lösung. Der Kurs tat sein übriges und ich merkte bei den Übungen, dass ich schon viel besser abschalten und mich entspannen konnte. Mein Körper wurde warm durchströmt und wenn der Guru (Kursleiter) es wollte, ging mein Atem durch die Füße in den Körper herein und durch die Schädeldecke wieder raus.

Kaum zu glauben - nicht wahr? Total entspannt verließ ich den Ort der Glückseligkeit.

Und siehe da, ich hatte diesmal auch kein Knöllchen - allerdings auch kein Fahrrad mehr. Das mit den Kosten muss ich vielleicht noch mal neu kalkulieren.

Dritter Versuch - dritte Alternative. Wozu gibt es denn eigentlich öffentliche Verkehrsmittel. Haltestelle ganz in der Nähe, günstige Tarife, umweltschonend und an den Staus vorbei. Gedacht, getan. Nun meine letzte Fahrt in einem Bus ist schon einige 100 Wochen her. Wie mir ein Passant auf Befragung erklärte, gibt es heute keine Schaffner mehr und man muss sich sein Ticket an einem Automaten ziehen.

Den Automaten fand ich auch und die Bedienung erschien mir als nicht übermäßig kompliziert. 1,60 € leuchtet in roter Leuchtschrift auf und ich schob meinen Geldschein in den dafür vorgesehenen Schlitz.

Pünktlich näherte sich auch schon der Bus. Nur noch das Ticket und Wechselgeld entnehmen und schon konnte es losgehen. Plötzlich tauchte mein Geldschein wieder auf und der Automat versuchte mir zu erklären, das ich die Banknote wenden müsse. Eine Seite hatte ich ausprobiert. Die Chance stand nun 1 : 3 beim nächsten Versuch ….. ich verlor!

Aber eine halbe Stunde später kam dann schon der nächste Bus und die Fahrt konnte losgehen. Ich hatte Glück, denn ich fand sogar einen Sitzplatz, den in dem überfüllten Bus scheinbar niemand außer mir bemerkt hatte. Das ich mich in etwas klebriges Braunes gesetzt hatte, fiel mir erst viel später auf. Ich hoffte nur, dass es Schokolade sei.

Kurz vor meinem Ziel stieg ein verwegen dreinschauender Mann in den Bus, den ich auf den ersten Blick für einen Auftragskiller der Mafia hielt. Es kam jedoch schlimmer. Er zog keine Waffe aus der Manteltasche wie ich vermutete, sondern einen Kette mit einer Marke daran. Er war Kontrolleur und die 40 € fürs schwarzfahren lies er sich nicht ausreden, obwohl ich minutenlang beteuerte, dass es ein Versehen sei, dass ich nur für 3 Stationen ein Ticket besaß, mein Ziel jedoch an der 4. Station lag. Er lies mich auch schon 2 Haltestellen hinter der VHS raus und ich musste nur einen knappen Kilometer zurück laufen. Pünktlich erreichte ich das Kursende.

Nicht ganz so entspannt wie an den ersten beiden Abenden machte ich mich auf den Heimweg. Jetzt wählte ich an dem Automaten ein Ticket für 4 Stationen, zahlte passend mit Münzen, die ich kiloweise am ersten Automaten als Wechselgeld erhalten hatte und erwischte auch den Bus.

Mein Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr stieg wieder und es hielt 2 Haltestellen lang an. Dann stiegen ein paar Jugendliche in den Bus, die mich freundlich mit den Worten: „Na Opa, warste turnen?“ begrüßten und sich um mich und meine Yogamatte platzierten.

Der eine ließ mich sogar aus seiner Bierflasche mittrinken. Er traf jedoch nicht meinen Mund, sondern Hemd und Hose. Als mich der nächste mit seiner Kippe vollaschte, war meine ganze im Kurs erlernte Gelassenheit wie weggeblasen.

Wutschnaufend schrie ich: „Das ist keine Turnmatte - ich mache „Ikebana“ und wenn ihr euch nicht sofort verpisst, zeige ich euch dass ich schon einen Grünen Gürtel besitze“. Ob man´s glaubt oder nicht - es war Ruhe !? Eine Haltestelle weiter stieg ich aus und kam ohne weitere Komplikationen zu hause an.

Gleich morgen suche ich mir einen Nebenjob. Vielleicht Zeitungen austragen oder kellnern - oder Banküberfälle. Denn ich habe noch 7 Kursabende und die Kosten des Kurses hatte ich völlig falsch eingeschätzt.

 

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